Formel 1

Zoff um neuen Mercedes: Gegen den Geist der Regeln?

Formel 1 Mercedes Bahrain Lewis Hamilton Test 2022
Lewis Hamilton. Credit: Mercedes

Noch nicht mal einen Tag ist der neue superschlanke Mercedes W13 alt, schon regt sich bei Ferrari, Red Bull und Co. Widerstand

Bianca Garloff
Bianca Garloff

Noch nicht mal einen Tag ist der neue superschlanke Mercedes W13 alt, schon regt sich bei Ferrari, Red Bull und Co. Widerstand

Der superschlanke Mercedes ist DAS Thema am ersten Tag der Formel-1-Tests in Bahrain. Das Hamilton-Team fuhr heute früh einen Silberpfeil aus der Garage, der quasi keine Seitenkästen mehr hat. Die Kühleinlässe gleichen nur noch einem vertikalen Schlitz. Weil die Seitenkästen fehlen, sind die Rückspiegel auf einem Zusatzflügel befestigt.

+++ Vettel: Vom Träumer zum Propheten

Das innovative Design hat bei den Gegnern schon kurz nach Testbeginn für ein kommunikatives Chaos gesorgt. Red Bull-Teamchef Christian Horner hinterfragte im Gespräch mit Journalisten im Fahrerlager die Legalität des Designs. Später ruderte Red Bull zurück, wies jegliches Statement seines Teamchefs in mehreren Nachrichten an die F1-Reporter weit von sich. Horner selbst betonte mit dunkler Sonnenbrille bei Sky, der Mercedes würde ihn nicht interessieren. Er sei schließlich kein Techniker.

Natürlich nicht! Trotzdem muss auch er als Techniklaie zugeben: Gegen den ultraschlanken Silberpfeil wirken alle anderen Autos wie Hobbysportler mit Wohlstandsbäuchlein.

Bei Mercedes dürfte man das Gebaren des Gegners deshalb mit Amüsement verfolgt haben. Mit breiter Brust jedenfalls saß Teamchef Toto Wolff bei der anschließenden Pressekonferenz und konstatierte: „Wir sind wirklich stolz, was wir in Sachen Konzept erreicht haben. Jetzt müssen wir es aber noch schnell machen. Wir experimentieren viel und gehen mit großer Neugier heran.“

Formel 1 Mercedes Bahrain Lewis Hamilton Test 2022
Lewis Hamilton. Credit: Mercedes

Doch hinter den Kulissen regt sich weiterer Widerstand. Besonders die aerodynamisch geformte, horizontale Spiegel-Plattform ist den Gegnern ein Dorn im Auge. Sie fungiert als Flügel – und genau die sind in diesem Bereich ab 2022 verboten, um weniger Luftverwirbelungen zu generieren und so das Überholen zu erleichtern. Nach F1-Insider-Informationen hat Ferrari bereits eine Anfrage bei der FIA platziert.

Indirekt bestätigt Teamchef Mattia Binotto das. „Der Mercedes ist ein großartiges Auto, hat ein gutes, ein anderes Konzept. Wir schauen uns das interessiert an.“ Hinsichtlich der Legalität ergänzt der Italiener: „Die FIA muss sicherstellen, dass es legal ist. Ich denke nicht, dass Mercedes etwas Illegales baut. Aber wir müssen uns anschauen, ob es dem Geist des Regelwerks entspricht. Sollte das nicht der Fall sein, müssen wir es für die Zukunft stoppen.“

Möglich macht es die neue sogenannte Supermehrheit. Wenn acht von zehn Teams zustimmen, ist eine Regeländerung durch die FIA seit Neuestem möglich.

Toto Wolff geht bereits auf Abwehr: „Wir haben diese Debatte erwartet. Ich wäre lieber beim alten Regelfindungsprozess geblieben. Aber die FIA und die Formel 1 werden das Thema sicher im Sinne des Sports handhaben. Ich denke, es wird ok sein.“ Der Wiener betont zudem, dass die Entwicklungsrichtung im Vorfeld mit der FIA abgesprochen worden sein soll. „Man bindet die FIA in solchen Fällen in die Entwicklung ein.“

Ganz pragmatisch sieht das Problem wie immer AlphaTauri-Teamchef Franz Tost: „Es gibt Regeln“, sagt der Österreicher trocken. „Und wenn ein Team spezielle Ideen hat, muss die FIA sagen, ob diese Ideen den Regeln entsprechen.“ Allein: Bereits im Vorfeld hatte Formel-1-Sportchef Ross Brawn betont, man werde Lücken im Regelwerk schnell wieder schließen.

Fest steht: Morgen und übermorgen wird es noch einmal spannend. Dann wollen auch Red Bull und McLaren neue Teile an ihre Autos schrauben.

FOLGT UNS AUF YOUTUBE!
Das ist F1-Insider.com

Formel 1 im TV

2022 läuft die Formel 1 bei Sky. Der Sender hat bereits letztes Jahr eigens für die Königsklasse einen neuen TV-Sender eingeführt: Sky Formel 1. Hier gibt es 24 Stunden am Tag Motorsport. Alle Trainingssitzungen, alle Qualifyings, alle Rennen immer live und ohne Werbeunterbrechung. Auf dem Programm stehen zudem historische Rennen und Sondersendungen.

So sehen Sie die Formel 1 live auf Sky

Kunden, die die Formel 1 bei Sky schauen möchten, haben die Wahl zwischen einem zwölfmonatigen Sky-Q-Abo (Empfang mit Receiver via Kabel, Satellit, Internet) ab 20 Euro pro Monat, dem Sky Supersport Ticket (Empfang per Internetstream/App) mit monatlicher Kündigungsoption für 29,99 Euro pro Monat und dem Sky Supersport Jahresticket (12 Monate Laufzeit, Internetstream/App) für 19,99 Euro pro Monat.

ZUM FORMEL-1-ANGEBOT VON SKY Q: HIER KLICKEN!

ZUM FORMEL-1-ANGEBOT VON SKY TICKET: HIER KLICKEN!


Autor

Bianca Garloff
Bianca Garloff

Mit einem Speedway-Stadion vor der Haustür aufgewachsen, Politik, Publizistik und Geschichte studiert, Michael Schumacher zugejubelt; mit dieser Kombination landet sie 2004 bei AUTO BILD. Volontariat auf der Springer-Journalistenschule. Als Redakteurin für AUTO BILD und SPORT BILD erst Schumi, dann Vettel und Rosberg auf den Fersen. Seit 2016 ist sie Redaktionsleiterin von AUTO BILD MOTORSPORT. 2020 wird sie zum Teil von F1-Insider.com, schreibt auch für SPORT1 und das Redaktionsnetzwerk Deutschland. Twitter: @bgarloff


Verwandte Artikel