Formel 1

Ex-Schumacher-Chef kritisiert Ferrari scharf

Formel 1 Ferrari Ungarn Charles Leclerc Carlos Sainz 2022
Charles Leclerc und Carlos Sainz jr. Credit: Ferrari

Luca di Montezemolo hat einst Michael Schumacher zu Ferrari gelotst. Jetzt kann er über die Scuderia nur noch den Kopf schütteln.

Bianca Garloff
Bianca Garloff

Luca di Montezemolo hat einst Michael Schumacher zu Ferrari gelotst. Jetzt kann er über die Scuderia nur noch den Kopf schütteln.

Die altehrwürdige Scuderia ist derzeit in keinem guten Zustand: WM-Rang vier, 312 Zähler hinter Klassenprimus Red Bull und noch schlimmer: Mittlerweile werden sogar dritte Plätze als Erfolg verbucht. So lachte Teamchef Frederic Vasseur nach Charles Leclers Podium in Spa über Ferraris Kritiker: „Ich bleibe ruhig, denn noch vor einer Woche hieß es, Ferrari sei zu dumm und am Ende.“

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Das wiederum bringt den ehemaligen Präsidenten Luca di Montezemolo auf die Palme. „Wissen Sie, was mir wirklich leidtut?“, fragt der Italiener im Gespräch mit dem italienischen Onlineportal Quotidiano Sportivo. „Dass wir einen dritten Platz wie in Spa zuletzt feiern. Das ist nicht Ferrari-like.“

Di Montezemolo war von 1974 bis 1977 Rennleiter des Kultteams aus Maranello, von 1991 bis 2014 Ferraris Präsident. Er kannte auch Firmengründer Enzo Ferrari gut und ist sicher: „Der alte Mann hätte das niemals akzeptiert, niemals.“

Formel 1 Luca di Montezemolo. Credit: Ferrari
Luca di Montezemolo. Credit: Scuderia

Dabei fordert der 75-Jährige noch nicht mal die totale Dominanz wie bei Red Bull und Mercedes. Noch nicht mal den ein oder anderen WM-Titel. Nein, er wäre schon mit weniger zufrieden. „Ich träume nicht von einem Ferrari, das immer gewinnt. Sondern von einem Ferrari, das immer bis zum letzten Rennen um den Titel kämpft.“ Niederlagen gehören für Montezemolo zum Sport: „Man kann verlieren – aber als Kämpfer, nicht als Nebendarsteller!“

Ferrari: Kein neues Dream Team in Sicht

15 Jahre wartet die Scuderia nun schon auf den nächsten Titel. Kimi Räikkönen war 2007 der letzte Fahrer, der sich in Rot zum Champion krönen konnte. Doch an den Piloten, die seither für den Kult-Rennstall aus Italien am Steuer drehen, liege es nicht. Auch auf den aktuellen Starfahrer Charles Leclerc der Landgraf große Stücke. „Charles würde ich auf jeden Fall behalten wollen“, lobt er, „er ist gut und meiner Meinung nach gibt es im Moment keinen stärkeren Fahrer als ihn.“

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Charles Leclerc und Carlos Sainz jr. Credit: Scuderia

Unzufrieden zeigt sich der Ex-Präsident indes mit dem Personal am Kommandostand. „Wer das rote Auto fährt, ist das letzte Problem“, legt er den Finger verbal in die Wunde. „Als ich Präsident war, habe ich mit Michael Schumacher, Jean Todt, Ross Brawn und Rory Byrne ein Dream Team gegründet.“ Die Folge: sechs Konstrukteurstitel in Folge.

Doch von einem Dream Team wie damals sei Ferrari derzeit weit entfernt. Und die aktuelle Führungsriege versuche auch nicht, von den Erfahrungen der alten Recken zu profitieren. Jedenfalls hat Ferrari-Vorstand John Elkann bisher keinen Kontakt gesucht. Montezemolo: „Null. Nichts. Ich habe von ihm nie etwas gehört.“

Brisant: Nicht nur der ehemalige Chef kritisiert die Scuderia. Auch Elkanns eigener Bruder Lapo hatte bereits zu Saisonbeginn gefordert: „Ferrari braucht mehr Ernsthaftigkeit und eine Siegermannschaft in der Box und draußen. Es ist an der Zeit für einen Weckruf. Politik und Spielchen müssen ein Ende haben, sonst wird man nie gewinnen.“


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Formel 1 Fahrer-Wertung
Stand nach 12 von 22 Rennen

1. Max Verstappen (Niederlande) – Red Bull 314 Pkt.
2. Sergio Perez (Mexiko) – Red Bull 189
3. Fernando Alonso (Spanien) – Aston Martin 149
4. Lewis Hamilton (Großbritannien) – Mercedes 148
5. Charles Leclerc (Monaco) – Ferrari 99
6. George Russell (Großbritannien) – Mercedes 99
7. Carlos Sainz Jr. (Spanien) – Ferrari 92
8. Lando Norris (Großbritannien) – McLaren 69
9. Lance Stroll (Kanada) – Aston Martin 47
10. Esteban Ocon (Frankreich) – Alpine 35

Konstrukteurs-Wertung
Stand nach 12 von 22 Rennen

1. Red Bull 503 Pkt.
2. Mercedes 247
3. Aston Martin 196
4. Ferrari 191
5. McLaren 103
6. Alpine 57
7. Williams 11
8. Haas 11
9. Alfa Romeo 9
10. Alpha Tauri 3


Autor

Bianca Garloff
Bianca Garloff

Mit einem Speedway-Stadion vor der Haustür aufgewachsen, Politik, Publizistik und Geschichte studiert, Michael Schumacher zugejubelt; mit dieser Kombination landet sie 2004 bei AUTO BILD. Volontariat auf der Springer-Journalistenschule. Als Redakteurin für AUTO BILD und SPORT BILD erst Schumi, dann Vettel und Rosberg auf den Fersen. Seit 2016 ist sie Redaktionsleiterin von AUTO BILD MOTORSPORT. 2020 wird sie zum Teil von F1-Insider.com, schreibt auch für SPORT1 und das Redaktionsnetzwerk Deutschland. Twitter: @bgarloff


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