Formel 1

Ferrari mit Debakel – So wird Verstappen mit Verlieren Weltmeister

Ferrari erlebte in Kanada ein Debakel
Ferrari erlebte in Kanada ein Debakel
Michael Zeitler
Michael Zeitler

Max Verstappen ist wieder nicht Erster. Und doch bleibt er klar der WM-Favorit. Das liegt auch daran, dass andere patzen. In Montreal war das Ferrari.

Es waren nicht die Regentropfen, die im Qualifying zum Kanada-GP in Montreal aus allen Wolken fielen. Es waren die Ferrari-Fans. Zwei Wochen nach dem sensationellen Sieg von Charles Leclerc beim Heimspiel in Monaco ist Ferrari wieder auf dem Boden der Tatsachen angelangt: Charles Leclerc und Carlos Sainz haben es beide nicht in die Top-10 geschafft.

Vorweg ein bisschen Geschichts-Unterricht: Zwei Ferraris nicht in den Top-10 der Startaufstellung – das gab es zuletzt in Abu Dhabi 2020 mit Charles Leclerc (12.) und Sebastian Vettel (13.). Es war Vettels letztes Rennen in rotem Overall.

Formel 1 Charles Leclerc Ferrari Kanada 2024
Charles Leclerc kam nicht über Platz 11 hinaus. Credit: Ferrari

Das Problem, das an vergangene Zeiten erinnert: Mal wieder wirkt Ferrari tollpatschig. Dass Leclerc und Sainz es nicht ins dritte Quali-Segment geschafft haben, liegt zuvorderst daran, dass sie mit gebrauchten Reifen auf Zeitenjagd gegangen sind. Neue Reifen bieten in der Regel mehr Haftung, sind also schneller. Gebrauchte Reifen kommen bei Regen besser auf Temperatur – und genau darauf hat Ferrari gesetzt. Weil es ihr Meteorologe so prognostiziert hat, weil auch tatsächlich schon erste Tropfen gefallen sind und weil Fans schon Mäntel und Regenschirme ausgepackt haben.

Ferrari: so schlecht wie zuletzt vor vier Jahren

Doch von diesem Fehlgriff will Ferrari-Rennleiter Frédéric Vasseur nichts wissen. Stattdessen erklärt der Franzose: „Es war keine gute Session. Es haben sich alle schwer getan, die Reifen zum Arbeiten zu kriegen. Und wenn du keine gute Runde zusammen bekommst, bist du bei diesen kleinen Abständen raus.“

Formel 1 Max Verstappen Red Bull Kanada 2024
Max Verstappen ist geschlagen und doch ein Gewinner in Montreal. Credit: Red Bull Content Pool

Charles Leclerc reagierte schon am Funk in der Auslaufrunde fuchsteufelswild: „Ich kann das nicht kommentieren.“ Mit etwas beruhigten Gemütern erklärt er die Strategie später so: „Wir haben zu Beginn von Q2 einen neuen Reifen verwendet und wollten den zweiten frischen Satz für Q3 aufheben.“ Und weiter: „Wir müssen uns mal anschauen, warum wir so langsam waren.“

Schließlich wird er doch noch konkret: „Wir waren heute im Nirgendwo. Es war einfach kein Grip da, die Reifen waren nicht bereit. Und wir wissen nicht, warum.“

Wechselnde Gegner für Verstappen

Immerhin: Die WM-Punkte werden erst morgen im Rennen vergeben. „Und im Rennstint war das Tempo okay“, gibt sich Vasseur hoffnungsvoll. „Wir können morgen zurückkommen.“

Trotzdem: Zu den Favoriten gehört Ferrari nicht. Und genau deswegen ist und bleibt Weltmeister Max Verstappen WM-Favorit. 31 Punkte liegt er vor Leclerc – und neun Startplätze beim Kanada-GP.

Verstappens Dominanz wackelt: Nach sechs Pole-Positions in Folge ist der Niederländer zum zweiten Mal in Serie geschlagen. Von den letzten drei Grands Prix gewann er nur einen. Aber es ist eben immer ein anderes Team, das Verstappen besiegt. In Imola gewann McLaren, in Monaco Ferrari, jetzt in Kanada steht Mercedes ganz vorn.

Pérez zeigt Red Bull-Absturz

Solange sich kein dauerhafter Gegner etabliert, nehmen sich die Konkurrenten nur gegenseitig die Punkte weg.

Formel 1 Sergio Perez Red Bull Kanada 2024
Sergio Perez ist wieder nur 16. Credit: Red Bull Content Pool

Mehr noch: Verstappen ist die einzige Konstante. Und das trotz aller Widerstände: Das zweite Training in Kanada musste er wegen Elektronik-Probleme an seinem Red Bull fast komplett sausen lassen. Und dass Red Bull auf dem absteigenden Ast ist, zeigt Sergio Pérez: Seit drei Qualifyings kam er schon nicht mehr ins Finale, in Monaco und Montreal war sogar schon nach Q1 Schluss.

So schlimm ist es bei Ferrari nicht. Und doch hatten die Ferrari-Fans in Kanada wohl mehr Erwartungen als das schlechteste Quali-Ergebnis seit vier Jahren…

FOLGT UNS AUF YOUTUBE!
Das ist F1-Insider.com


Autor

Michael Zeitler
Michael Zeitler

Nach dem Politikwissenschaftsstudium stellte er fest: Interessant, aber der Motorsport ist dann doch spannender. Als Kind der Schumi-Ära hat Michael Zeitler kaum ein Formel-1-Rennen verpasst und Gefallen auch an anderen Rennserien wie der IndyCar gefunden. Nach ersten journalistischen Erfahrungen, etwa im Regionalfernsehen, kam er im Oktober 2015 als Volontär und schließlich als Redakteur zu AUTO BILD MOTORSPORT. Seit 2020 gehört er zum Team F1-Insider.


Verwandte Artikel