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Le Mans 2025: Schumacher mit Siegchancen

WEC Mick Schumacher Alpine 2025
Mick Schumacher. Credit: Thomas Fenetre / DPPI / Alpine

Drei deutsche Fahrer mischen um den Sieg bei den 24 Stunden von Le Mans mit. Die besten Chancen hat ausgerechnet Mick Schumacher.

Michael Zeitler
Michael Zeitler

Drei deutsche Fahrer mischen um den Sieg bei den 24 Stunden von Le Mans mit. Die besten Chancen hat ausgerechnet Mick Schumacher.

Seit fast fünf Jahren wartet Mick Schumacher (26) auf einen Rennsieg. ­Damals, am 26. September 2020, jubelte er nach einem Formel-2-Triumph in Sotschi. Jetzt könnte der Sohn von Formel-1-­Legende Michael Schumacher (56) ausgerechnet bei den legendären 24 Stunden von Le Mans zurück nach ganz oben fahren – im wohl härtesten Rennen der Welt.

Mit seinem 680 PS starken ­Alpine A424 – einem Hybrid-Prototyp mit 3,4-Liter-V6-Turbo – mischt Schumacher 2024 in der Langstrecken-WM überraschend weit vorn mit. Zwei Podestplätze in drei Rennen, dazu starke Führungsrunden in Spa – der Knoten scheint geplatzt. Ohne einen schleichenden Plattfuß hinten rechts hätte er sogar gewinnen können. „Das hat uns 23 Sekunden gekostet“, rechnet Teamchef Philippe Sinault vor. Am Ende fehlten nur fünf Sekunden auf Ferrari.

Schumacher im Alpine konkurrenzfähig

Sukzessive arbeitet sich Alpine nach vorn in der hart umkämpften Topklasse. In Le Mans sind 21 ­Hypercars von acht Herstellern ­gemeldet – neben Alpine auch ­Porsche, BMW, Toyota, Ferrari, Peugeot, Cadillac und Aston ­Martin. Schumacher fährt mit zwei neuen Teamkollegen: Jules Gounon (Sohn von Ex-F1-Pilot Jean-Marc Gounon) und Frédéric Makowiecki, ehemaliger Porsche-Werksfahrer. Gemeinsam wollen sie Geschichte schreiben: Mick könnte als 19. Deutscher überhaupt Le Mans gewinnen.

WEC Mick Schumacher Alpine 2025
Mick Schumacher. Credit: Joao Filipe / DPPI / Alpine

31 Siege haben deutsche Piloten beim Langstreckenrennen bisher geholt, die meisten davon Frank Biela (5). Der letzte deutsche Erfolg stammt von Timo Bernhard im Porsche 919 Hybrid aus 2017.

Doch der Name Schumacher allein garantiert nichts, und vor allem Pascal Wehrlein (30) hat etwas gegen einen Sieg von Mick. Der Formel-E-Champion gibt für Porsche sein Le-Mans-­Debüt. Aber: „Uns fehlt derzeit die Pace“, gibt Porsches LMDh-Projektleiter Urs Kuratle zu. Die Balance of Performance, also jene Leistungsangleichung, die alle Hersteller auf ein Level bringen soll, wirkt sich für den Porsche 963 (4,6-Liter-V8-Biturbo-Hybrid) derzeit nachteilig aus, heißt es aus Zuffenhausen. Besonders das ­hohe Fahrzeuggewicht von 1037 Kilogramm erhöht den Reifenverschleiß. Über einen achten Platz kam Porsche in dieser WM-Saison deshalb noch nicht hinaus.

Wehrlein pendelt zwischen Formel E und Langstrecke

WEC Pascal Wehrlein Porsche 2025
Pascal Wehrlein. Credit: Porsche

Auch Wehrlein selbst muss ­improvisieren: Als Gaststarter ­pendelt er zwischen Formel E und Langstrecke. In Spa verpasste er sogar ein Training wegen Formel-E-Tests im Simulator. „Die Umstellung zwischen den beiden technisch hochkomplexen Fahrzeugen ist nicht einfach“, weiß Kuratle. Wehrlein ergänzt: „Sitzposition, Setup, Strategie und so weiter – in der Formel E spitze ich das voll auf mich zu. In Le Mans muss ich Kompromisse mit meinen beiden Teamkollegen finden.“ Immerhin: Einer davon, Nick Tandy, hat Le Mans 2015 bereits gewonnen. Der andere ist Ex-F1-Pilot Felipe Nasr.

Auch René Rast (38) fährt in der Topklasse – im BMW M Hybrid V8. Der dreimalige DTM-Champion geht allerdings nur mit Außenseiterchancen ins Rennen.

WEC René Rast BMW 2025
René Rast. Credit: Julian Kroehl / BMW

Schumacher bleibt der große Hoffnungsträger unter den deutschen Fahrern. Ein Sieg wäre nicht nur historisch – er könnte auch seine Bewerbung für ein Comeback in der Formel 1 beflügeln. 2026 will Cadillac in die Königsklasse einsteigen – und Schumi jr. kämpft um genau dieses Cockpit. Ein Triumph an der Sarthe wäre das perfekte Empfehlungsschreiben.

Autoren: M. Zeitler, B. Garloff

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Autor

Michael Zeitler
Michael Zeitler

Nach dem Politikwissenschaftsstudium stellte er fest: Interessant, aber der Motorsport ist dann doch spannender. Als Kind der Schumi-Ära hat Michael Zeitler kaum ein Formel-1-Rennen verpasst und Gefallen auch an anderen Rennserien wie der IndyCar gefunden. Nach ersten journalistischen Erfahrungen, etwa im Regionalfernsehen, kam er im Oktober 2015 als Volontär und schließlich als Redakteur zu AUTO BILD MOTORSPORT. Seit 2020 gehört er zum Team F1-Insider.


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