Formel 1

McLaren: Dieses Verhalten kann Norris schaden

Formel 1 Lando Norris McLaren Spielberg 2025
Lando Norris. Credit: Sam Bagnall/Sutton Images/McLaren

Teamfrieden statt Revanche bei McLaren: Norris entschuldigt sich. Hätten Schumi und Co. das auch getan?

Bianca Garloff
Bianca Garloff

Teamfrieden statt Revanche bei McLaren: Norris entschuldigt sich. Hätten Schumi und Co. das auch getan?

Nach dem teaminternen McLaren-Crash in Montreal schlägt Lando Norris vor dem Österreich-GP versöhnliche Töne an. Der McLaren-Pilot übernimmt die volle Verantwortung für die Kollision mit Teamkollege Oscar Piastri. Stellt sich die Frage: Hätten sich Legenden wie Schumacher oder Senna ebenfalls öffentlich entschuldigt?

Norris: Einsicht statt Eskalation

„Wir hatten ziemlich viele Gespräche“, verrät ein immer noch angeschlagen wirkender Norris in Spielberg. „Ich musste mir darüber klar werden, was in meinem Kopf vorging, und das habe ich dem Team erklärt. Ich war sehr offen darüber, dass dieser Fehler zu hundert Prozent auf meine Kappe geht.

Formel 1 Norris Piastri McLaren Crash Kanada 2025
Oscar Piastri und Lando Norris. Credit: F1 / X

Gleichzeitig räumt der Brite ein, dass die internen Gespräche nicht einfach waren: „Ich gebe zu – diese Diskussionen waren nicht angenehm. Wir alle hier wissen, was die erste Regel ist, und das gilt auch weiterhin.“

Was er meint: Harte Kämpfe sind erlaubt – aber nicht gegen den eigenen Teamkollegen. So und nicht anders lauten die Papaya-Regeln. Dass bei McLaren die Sache ernst genommen wurde, ist klar. Norris: „Vielleicht wurde das eine oder andere noch etwas kraftvoller betont als zuvor, aber das war zu erwarten.“

Emotionaler Umgang mit dem Fehler

Optisch ist Norris in den letzten Jahren vom Jugendlichen zum Mann gereift. Mental wirkt er zerbrechlicher als früher. Auch weil seine Selbstkritik über das übliche Pflichtprogramm hinaus geht, wenn er sagt: „Das Team bedeutet mir alles, und ich habe es im Stich gelassen. McLaren hat mir den Steigbügel in die Formel 1 hingehalten, ich will mit McLaren Rennen gewinnen. Und dann so etwas wie in Kanada. Das ist das Letzte, was ich wollte. Ich fühlte mich schlecht.“

Formel 1 Lando Norris McLaren Spielberg 2025
Lando Norris. Credit: Andy Hone/LAT Images/McLaren

Zwischenmenschlich zeigt Norris damit Größe. Doch im historischen Kontext der Formel 1 fällt auf: Fahrer wie Ayrton Senna, Michael Schumacher oder auch Max Verstappen wären öffentlich wohl weniger reumütig gewesen. Nicht aus Arroganz – sondern aus dem eigenen Selbstverständnis heraus, dass alles dem Sieg untergeordnet ist.

Immerhin: Der Crash scheint die Beziehung zu Oscar Piastri nicht dauerhaft beschädigt zu haben. Norris: „Zwischen mir und Oscar hat sich nichts geändert. Wir dürfen immer noch frei fahren, es gibt kein böses Blut. Das Vertrauen und der ehrliche Umgang zwischen mir und Oscar ist intakt. Wir wollen als Team nicht auseinanderfallen, so wie das früher in anderen Rennställen passiert ist.“

Doch mit steigendem Erfolgsdruck und einem engen WM-Duell könnten sich die Fronten schneller verhärten, als Norris es momentan wahrhaben will.

Piastri noch in Reichweite

Formel 1 Oscar Piastri McLaren Kanada 2025
Oscar Piastri. Credit: Zak Mauger/LAT Images/McLaren

Auch sportlich sieht sich Norris weiter im Rennen um die Weltmeisterschaft – trotz Rückstand auf Piastri: „Ich liege 22 Punkte hinten, und der Hauptgrund dafür ist meine Fehlerquote. Ich erkenne an, welch gute Arbeit Oscar macht. Aber es ist noch immer knapp zwischen uns, und ich freue mich auf die Fortsetzung.“

Fazit

Lando Norris zeigt vor dem Grand Prix von Österreich Charakter und Einsicht – Eigenschaften, die im Haifischbecken Formel 1 nicht selbstverständlich sind. Doch Einsicht allein bringt keine WM-Punkte. In Spielberg wird entscheidend sein, ob er auf der Strecke ein klares Zeichen setzt – sportlich und souverän.

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Autor

Bianca Garloff
Bianca Garloff

Mit einem Speedway-Stadion vor der Haustür aufgewachsen, Politik, Publizistik und Geschichte studiert, Michael Schumacher zugejubelt; mit dieser Kombination landet sie 2004 bei AUTO BILD. Volontariat auf der Springer-Journalistenschule. Als Redakteurin für AUTO BILD und SPORT BILD erst Schumi, dann Vettel und Rosberg auf den Fersen. Seit 2016 ist sie Redaktionsleiterin von AUTO BILD MOTORSPORT. 2020 wird sie zum Teil von F1-Insider.com, schreibt auch für SPORT1 und das Redaktionsnetzwerk Deutschland. Twitter: @bgarloff


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