Formel 1

Norris bleibt cool, wo Hamilton einst verzweifelte

Formel 1 Lando Norris McLaren Zandvoort 2025
Lando Norris. Credit: Alastair Staley/LAT Images / McLaren

Lando Norris hätte nach seinem Motorschaden in Zandvoort allen Grund gehabt, deprimiert zu sein. Doch er reagierte anders als einer seiner berühmten britischen Vorgänger.

Bianca Garloff
Bianca Garloff

Lando Norris hätte nach seinem Motorschaden in Zandvoort allen Grund gehabt, deprimiert zu sein. Doch er reagierte anders als einer seiner berühmten britischen Vorgänger.

Während Oscar Piastri zum Sieg beim GP der Niederlande raste, saß sein Teamkollege Lando Norris nach seinem Motorschaden in den Dünen von Zandvoort und schaute dem Australier beim Gewinnen zu. Man hätte meinen können, der junge Engländer sein jetzt verzweifelt, mental am Boden, ausgeknockt vom Schicksal. Doch von Drama keine Spur beim McLaren-Star. „Das war Pech, Jungs“, funkte er nach dem Motorschaden und blieb auch später erstaunlich konstruktiv.

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Sky-Experte Ralf Schumacher fand angesichts der Tragweite des Ausfalls schon deutlichere Worte: „Es wäre tragisch, wenn das die WM entscheidet. Wirklich tragisch.“ Denn aus neun Zählern Rückstand auf Piastri wurden über Nacht 34. Ein Rückschlag mit dem Potential, den Kampfgeist eines Rennfahrers zu zerstören. Doch auf Norris trifft das nicht zu. Er stellte sich noch zum Siegerfoto neben Piastri, lächelte in die Kameras und sprach danach von einem klaren Ziel: „Jetzt muss ich eben versuchen, alle Rennen zu gewinnen.“

Norris mit konstruktivem Mindset, Hamilton mit Verschwörungstheorien

Formel 1 Lando Norris McLaren Zandvoort 2025
Lando Norris. Credit: Alastair Staley/LAT Images / McLaren

Ein Mercedes-Motorschaden im teaminternen WM-Kampf: Da war doch mal was? Lewis Hamilton hatte einst ganz anders auf so ein Technik-Debakel reagiert. Als dem Mercedes-Star 2016 in Malaysia der Motor um die Ohren flog, fluchte er am Funk zunächst „Oh no, no!“. Später warf er dem Team vor, seinen deutschen Teamkollegen Nico Rosberg zu bevorzugen. Tatsächlich – so wurde erzählt – glaubte Hamilton an Absicht beim Platzen seiner Antriebseinheit. Eine Episode, die man Mercedes-intern bis heute als Wendepunkt dieser Saison beschreibt und die Rosberg später zum Weltmeister machte.

Doch genau dieser Unterschied ist es jetzt, der Norris’ Titelträume am Leben erhält. Statt in Selbstmitleid zu versinken, zeigt er Führungsqualitäten. McLaren-Boss Andrea Stella lobt: „Er bewahrte selbst in einer seiner schwierigsten Stunden ein konstruktives Mindset.“

WM-Titel ist noch möglich

Noch 249 Punkte sind 2025 zu vergeben, inklusive Sprints. In der Formel-1-Historie wurden schon größere Rückstände aufgeholt: Sebastian Vettel machte 2012 aus 44 Punkten Rückstand noch den Titel, Kimi Räikkönen holte 2007 gegen Hamilton sogar umgerechnet 65 Punkte auf.

Fest steht: Während Hamilton einst an einem Motordefekt zerbrach, könnte Norris’ Gelassenheit in Zandvoort genau das sein, was ihn im WM-Kampf stark macht. Statt am Boden zu liegen, ist er bereit zurückzuschlagen. Nicht nur für ihn wäre das wichtig, sondern auch für die Formel-1-Saison 2025.

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Autor

Bianca Garloff
Bianca Garloff

Mit einem Speedway-Stadion vor der Haustür aufgewachsen, Politik, Publizistik und Geschichte studiert, Michael Schumacher zugejubelt; mit dieser Kombination landet sie 2004 bei AUTO BILD. Volontariat auf der Springer-Journalistenschule. Als Redakteurin für AUTO BILD und SPORT BILD erst Schumi, dann Vettel und Rosberg auf den Fersen. Seit 2016 ist sie Redaktionsleiterin von AUTO BILD MOTORSPORT. 2020 wird sie zum Teil von F1-Insider.com, schreibt auch für SPORT1 und das Redaktionsnetzwerk Deutschland. Twitter: @bgarloff


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