Formel 1

Als Nico Hülkenberg die Formel-1-Welt schockte: „Als hätte er das Auto gestohlen“

Nico Hülkenberg, Williams, Sao Paulo, GP Brasilien, 2010, Credit: F1
Nico Hülkenberg, Williams, Sao Paulo, GP Brasilien, 2010, Credit: F1
Bianca Garloff
Bianca Garloff

Vor 15 Jahren fuhr Nico Hülkenberg in Brasilien sensationell auf Pole – gegen Vettel, Hamilton und Alonso.

„Er hat uns alle ziemlich durchschnittlich aussehen lassen“, gestand Mark Webber und brachte damit auf den Punkt, was am 6. November 2010 in Interlagos passiert war. In einem der verrücktesten Qualifyings der jüngeren Formel-1-Geschichte stellte Nico Hülkenberg im unterlegenen Williams die Formel-1-Welt auf den Kopf – und holte seine erste, bis heute einzige Poleposition.

Damals kämpften Fernando Alonso, Sebastian Vettel, Mark Webber, Lewis Hamilton und Jenson Button um den WM-Titel. Hülkenberg hingegen war ein Rookie, der bis dahin nur einen Punkt geholt hatte. Doch an diesem Samstag in São Paulo lief alles zusammen: das Timing, die Reifenwahl und sein Mut.

Nico Hülkenberg, Williams, Sao Paulo, GP Brasilien, Credit: F1
Nico Hülkenberg, Williams, Sao Paulo, GP Brasilien, Credit: F1

Nico Hülkenberg: Cleverness, Mut und der richtige Moment

Der Deutsche hatte sich in den wechselhaften Q1 und Q2 noch schwergetan, lag hinter Teamkollege Rubens Barrichello. Doch als die Strecke in Q3 abtrocknete, reagierte das Team blitzschnell. „Rubens kam rein und meinte, die Strecke sei trocken. Nico wollte eigentlich noch draußen bleiben, aber als er hörte, dass Rubens Slicks aufzieht, kam er sofort in die Box“, erinnert sich Patrick Head, damaliger Williams-Technikchef.

Mit den Trockenreifen traf Hülkenberg die Bedingungen perfekt. Drei schnelle Runden am Stück, jede besser als die vorige – am Ende war er 1,049 Sekunden schneller als Vettel. Eine Ewigkeit in der Formel 1. „Das Auto fühlte sich gut an, ich hatte einen guten Rhythmus und habe einfach alles gegeben, was ich konnte“, sagte der F1-Rookie danach. „Mein Ingenieur funkte plötzlich: ‚Du bist auf der Poleposition!‘ Ich konnte es kaum glauben.“

Die Sensation bleibt unvergessen

Im Rennen fiel Hülkenberg zwar zurück und wurde Achter, doch sein Name war fortan bekannt. Teamchef Frank Williams prophezeite ihm damals, er könne „eines Tages im richtigen Team Weltmeister werden“. Trotzdem tauschte Williams ihn 2011 gegen GP2-Champion Pastor Maldonado aus, Hülkenberg wurde Ersatzfahrer bei Force India und kämpfte sich über Umwege immer wieder zurück.

15 Jahre später, in der Saison 2025, steht der Deutsche noch immer in der Startaufstellung. In Silverstone stand er mit 239 Grands Prix endlich das erste Mal auf dem Podium.

Seine Pole von Interlagos 2010 aber bleibt legendär. Ingenieur Tom McCullough erinnert sich: „Er fuhr, als hätte er das Auto gestohlen. Diese Runde war pure Magie.“

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Autor

Bianca Garloff
Bianca Garloff

Mit einem Speedway-Stadion vor der Haustür aufgewachsen, Politik, Publizistik und Geschichte studiert, Michael Schumacher zugejubelt; mit dieser Kombination landet sie 2004 bei AUTO BILD. Volontariat auf der Springer-Journalistenschule. Als Redakteurin für AUTO BILD und SPORT BILD erst Schumi, dann Vettel und Rosberg auf den Fersen. Seit 2016 ist sie Redaktionsleiterin von AUTO BILD MOTORSPORT. 2020 wird sie zum Teil von F1-Insider.com, schreibt auch für SPORT1 und das Redaktionsnetzwerk Deutschland. Twitter: @bgarloff


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