Noch bevor die neue Formel-1-Ära startet, sorgt ein möglicher Motor-Vorteil von Mercedes für Unruhe. Audi warnt vor einem Wettbewerbsnachteil – und fordert die FIA zum Handeln auf.
Noch bevor die neue Formel-1-Ära überhaupt richtig begonnen hat, geht es hinter den Kulissen bereits heftig zur Sache. Im Zentrum der Diskussion steht ein möglicher Motor-Vorteil von Mercedes und die wachsende Sorge der Konkurrenz. Besonders deutlich meldet sich Audi zu Wort.
Kurz vor den ersten offiziellen Tests haben die Ingolstädter gemeinsam mit weiteren Herstellern die FIA um Klarstellung gebeten. Der Vorwurf: Mercedes könnte das Verdichtungsverhältnis seines Motors im Fahrbetrieb über das eigentlich erlaubte Limit von 16:1 hinaus erhöhen, ausgelöst durch thermische Effekte. Formal regelkonform bei der Messung im Stand, auf der Strecke aber womöglich ein entscheidender Vorteil.
Audi fürchtet frühen Wettbewerbsnachteil
Für Audi ist das Thema besonders sensibel. Der Hersteller steigt 2026 erstmals als Werksteam ein und hat sich ambitionierte Ziele gesetzt. Entsprechend deutlich fallen die Warnungen aus. „Wenn das real ist, dann reden wir von einem signifikanten Unterschied in Performance und Rundenzeit“, betont Projektleiter Mattia Binotto bei der offiziellen Präsentation des Audi-Projekts. „Und das würde im Wettbewerb einen echten Unterschied machen.“
Binotto muss es wissen. Bevor er Ferrari-Teamchef wurde, leitete er die Motorenabteilung der Scuderia. „Wir stehen am Beginn eines komplett neuen Reglements“, stellt er fest. „Gerade da ist es extrem wichtig, dass alle auf derselben Grundlage starten.“

Noch deutlicher wird Technikchef James Key. Für ihn geht es nicht um politische Spielchen, sondern um Chancengleichheit: „Wenn etwas die Intention des Reglements umgeht, dann muss es kontrolliert werden.“ Key ergänzt mit Blick auf die homologierten Antriebe: „Niemand möchte eine ganze Saison fahren, wenn es einen klaren Vorteil gibt, gegen den man nichts tun kann. Das will niemand im Sport.“
Besonders kritisch sieht er die Signalwirkung: „Wenn jemand eine clevere technische Lösung findet, die außerhalb der eigentlichen Idee der Regeln liegt, und man sagt dann: Ihr dürft das behalten, alle anderen aber nicht – das ergibt keinen Sinn. Wir würden das nicht akzeptieren.“
Gefahr auch durch Mercedes-Kundenteams
Die Brisanz der Diskussion steigt zusätzlich, weil ein möglicher Motorvorteil nicht bei Mercedes enden würde. Auch die Kundenteams McLaren, Williams und Alpine könnten davon profitieren. Genau davor warnt Audi. Ein frühes Leistungsgefälle beim Antrieb könnte die neue Ära prägen.
Allein: Ein komplettes Verbot der Mercedes-Lösung gilt derzeit als unwahrscheinlich. Die FIA hat den Ansatz bislang akzeptiert, eine nachträgliche Sanktion wäre rechtlich heikel. Dennoch wächst der Druck, zumindest steuernd einzugreifen. Audi setzt dabei auf Dialog. Oder wie es Binotto formuliert: „Wir vertrauen darauf, dass die FIA die richtigen Entscheidungen trifft. Was wir brauchen, ist ein fairer Start für alle.“
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