Formel 1

W-Series-Meisterin kontert Formel-1-Boss

Jamie Chadwick W Series
Jamie Chadwick. Credit: W Series

Formel-1-Chef Stefano Domenicali glaubt nicht, dass es eine Frau in den nächsten fünf Jahren in die Königsklasse schafft. Jamie Chadwick hält dagegen.

Bianca Garloff
Bianca Garloff

Formel-1-Chef Stefano Domenicali glaubt nicht, dass es eine Frau in den nächsten fünf Jahren in die Königsklasse schafft. Jamie Chadwick hält dagegen.

Für die Aussage musste er viel Kritik einstecken. In einer Pressekonferenz vorm GP Belgien war Formel-1- Chef Stefano Domenicali einfach nur ehrlich. „Realistisch gesehen, glaube ich nicht, dass in den nächsten fünf Jahren eine Frau in die Formel 1 schafft“, sagte der Italiener da auf Nachfrage. „Da müsste schon so etwas wie ein Meteorit in die Erde einschlagen, damit das passiert.“

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Was er meinte: Die Förderung von Frauen und Mädchen im Motorsport ist noch immer nicht gut genug, um eine erfolgreiche Rennfahrerin hervorzubringen. Domenicali schlussfolgerte: „In diesem Moment ist es von entscheidender Bedeutung, Frauen die besten Möglichkeiten zu geben, in die Formel 1 zu kommen. Das ist etwas, dem wir uns voll und ganz verschrieben haben.“

Gut gemeint, schlecht kommuniziert. Besonders für diejenigen jungen Frauen, die aktuell in den Nachwuchsklassen fahren, war die Aussage ein Schlag ins Gesicht. Allen voran Jamie Chadwick (24): Die W-Series-Meisterin gilt als schnellste Frau im internationalen Rennsport und ist als Teil der Williams-Akademie heißeste Anwärterin auf ein Formel-1-Cockpit.

Jamie Chadwick W Series
Jamie Chadwick. Credit: W Series

„Ich möchte innerhalb der nächsten fünf Jahre in der Formel 1 sein“, kontert sie nun Domenicalis Aussage. „Also widerspricht es dem, was er sagt. Ich möchte nicht, dass es sich so anfühlt, als stünden wir immer noch am Rande des Geschehens.“

Am kommenden Wochenende kann die 24-Jährige in Singapur nach ihren Erfolgen in den Jahren 2019 und 2021 vorzeitig ihren dritten Titelgewinn in der W-Series festzurren. Allerdings sieht selbst sie die Frauenformel zunehmend kritisch.

„So großartig die W-Series auch war, es fehlte die notwendige Fahrzeit und Entwicklung“, räumt die Britin ein. „Aus diesem Grund bin ich der Meinung, dass ich direkt in die F2 einsteigen sollte, aber ich glaube immer, dass ich noch weit von der Formel 1 entfernt bin, und dass Fahrzeit entscheidend sein wird.“

So oder so müsse den Mädchen Mut gemacht werden. Verbale Bremsmanöver helfen da nicht. Chadwick: „Wenn ich es nicht bin, bin ich zuversichtlich, dass ein anderes junges Mädchen die Gelegenheit hat, in die Formel 1 zu kommen. Sie müssen inspiriert werden und wissen, dass sie die Möglichkeit haben.“

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Bianca Garloff
Bianca Garloff

Mit einem Speedway-Stadion vor der Haustür aufgewachsen, Politik, Publizistik und Geschichte studiert, Michael Schumacher zugejubelt; mit dieser Kombination landet sie 2004 bei AUTO BILD. Volontariat auf der Springer-Journalistenschule. Als Redakteurin für AUTO BILD und SPORT BILD erst Schumi, dann Vettel und Rosberg auf den Fersen. Seit 2016 ist sie Redaktionsleiterin von AUTO BILD MOTORSPORT. 2020 wird sie zum Teil von F1-Insider.com, schreibt auch für SPORT1 und das Redaktionsnetzwerk Deutschland. Twitter: @bgarloff


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