Formel 1

Ex-Ferrari-Teamchef rechnet mit Vettel und Hamilton ab

Formel 1 Sebastian Vettel
Sebastian Vettel. Credit: Red Bull Content Pool
Bianca Garloff
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Ex-Ferrari-Boss Maurizio Arrivabene kritisiert Lewis Hamiltons Vorgehen scharf – und legt den Finger in eine offene Vettel-Wunde der Scuderia.

Bei Ferrari brodelt es intern weiter – und nun meldet sich ausgerechnet ein Ex-Teamchef zu Wort: Maurizio Arrivabene mit einem deutlichen Seitenhieb gegen Lewis Hamilton. Anlass: Hamiltons Angewohnheit, der Scuderia detaillierte technische „Dossiers“ zu schicken. Für Arrivabene ist das nicht nur wirkungslos – sondern kontraproduktiv.

Zur Erinnerung: Hamiltons Emails an die Ferrari-Techniker sollen bereits während der schwierigen Saison 2025 intern für Unmut gesorgt haben. In einem Interview mit Sky Italia erklärt Arrivabene nun, er kenne dieses Verhalten zu gut – zieht einen brisanten Vergleich.

Formel 1 Lewis Hamilton Ferrari Katar 2025
Lewis Hamilton. Credit: Ferrari

Arrivabene kritisiert Vettels Ferrari-Dossiers

„Sebastian Vettel hat solche Dossiers ebenfalls verschickt“, verrät Arrivabene. „Er schrieb, sprach und teilte alles mit.“ Der Effekt: nun ja, wenn es nach dem Ex-Boss geht, war der überschaubar. „Fast nutzlos“, so der Italiener. „Ich will nichts Schlechtes über Sebastian sagen, aber jeder sollte sich um seine eigenen Angelegenheiten kümmern.“

Der frühere Ferrari-Teamchef macht klar, wo für ihn die Grenze verläuft: Fahrer sollen Feedback geben – aber nicht den Ingenieur ersetzen. „Wenn ein Fahrer anfängt, Ingenieur zu spielen, dann ist Schluss“, so Arrivabene. „Dann ist wirklich Schluss.“

Vettel 2017 in Abu Dhabi Credit: Ferrari
Vettel 2017 in Abu Dhabi Credit: Ferrari

Arrivabene erklärt Kritik

Arrivabene begründet seine Kritik technisch: Ein Formel-1-Auto bestehe aus mehr als 50.000 Bauteilen, die in komplexen Zusammenhängen funktionieren. „Fahrer verbringen zwei, drei Tage im Simulator und bekommen einen allgemeinen Eindruck. Aber der Teufel steckt im Detail“, so der Italiener. Dafür fehle selbst mehrfachen Weltmeistern die nötige Tiefe.

Sein Appell ist eindeutig: „Wenn das Auto auf der Strecke ist, muss der Fahrer relevantes Feedback liefern, damit die Ingenieure gezielt verbessern können – besonders dann, wenn Potenzial da ist.“

Die Aussagen kommen für Ferrari zur Unzeit. Hamiltons erstes Jahr in Rot war geprägt von Frust, Missverständnissen und zuletzt immer lauteren Rücktrittsgerüchten. Die Beziehung zwischen Fahrer und Team gilt als angespannt. Arrivabenes Worte dürfte Hamilton dabei als Warnsignal zu verstehen haben. Denn wer es vergessen hat: Auch Vettel scheiterte an der Ferrari-Philosophie.

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Autor

Bianca Garloff
Bianca Garloff

Mit einem Speedway-Stadion vor der Haustür aufgewachsen, Politik, Publizistik und Geschichte studiert, Michael Schumacher zugejubelt; mit dieser Kombination landet sie 2004 bei AUTO BILD. Volontariat auf der Springer-Journalistenschule. Als Redakteurin für AUTO BILD und SPORT BILD erst Schumi, dann Vettel und Rosberg auf den Fersen. Seit 2016 ist sie Redaktionsleiterin von AUTO BILD MOTORSPORT. 2020 wird sie zum Teil von F1-Insider.com, schreibt auch für SPORT1 und das Redaktionsnetzwerk Deutschland. Twitter: @bgarloff


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