Formel 1

Alonso mit unfassbaren Zahlen: Wie Lauda gegen Schumi

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Fernando Alonso. Credit: Clive Mason/Getty Images/Aston Martin

Fernando Alonso wird nächstes Jahr 45 Jahre alt. Dabei produziert er Zahlen, die schlicht unbegreiflich sind. Der Versuch einer Einordnung.

Michael Zeitler
Michael Zeitler

Fernando Alonso wird nächstes Jahr 45 Jahre alt. Dabei produziert er Zahlen, die schlicht unbegreiflich sind. Der Versuch einer Einordnung.

Kein Geringerer als Max Verstappen bricht eine Lanze für Fernando Alonso: „Er ist ein Kämpfer, und das ist er immer noch. Ich habe großen Respekt vor Fernando, dass er es in seinem Alter immer noch macht.“

Fernando Alonso geht 2026 in seine 23. Formel-1-Saison, wird im Juli aber 45 Jahre alt. Er ist damit der älteste GP-Teilnehmer seit 50 Jahren, seit Graham Hill mit 45 Jahren beim Brasilien-GP 1975 für sein eigenes Team Platz zwölf erzielte.

Es ist schier unmöglich, Alonsos Karriere in Worte zu fassen. Es braucht dazu Zahlen. Und Vergleiche.

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Fernando Alonso. Credit: Aston Martin

Von 781 Fahrern, die bei mindestens einem WM-Rennen gestartet sind, fuhren gerade einmal 24 mehr als 200 Grands Prix, nur sechs bringen es auf mehr als 300 Formel-1-Rennen. Und Fernando Alonso? Der Spanier hat als Einziger die Schallmauer von 400 Rennen durchbrochen, steht vor dem Saisonauftakt 2026 bereits bei 425 Grands Prix. Das macht 37 Prozent aller WM-Rennen, die jemals ausgetragen wurden. Bei mehr als einem Drittel aller Rennen stand also Alonso am Start.

Alonsos 23. Formel-1-Saison in Relation

Alonso kommt bislang auf 22 Jahre Formel 1. Es wären sogar 25 Jahre, wenn er nach seinem Debütjahr 2001 nicht 2002 als Renault-Testfahrer hätte pausieren müssen (ein Deal mit Jordan für 2002 scheiterte) und Alonso 2019 und 2020 der Formel 1 nicht kurzzeitig den Rücken gekehrt und zwei Jahre Rallye Dakar, 24h Le Mans und Indy 500 gefahren wäre. Aber auch 22 Jahre sind schon Rekord – und drei mehr als Rubens Barrichello, Michael Schumacher, Kimi Räikkönen und Lewis Hamilton, die jeweils 19 Jahre Formel 1 auf dem Buckel haben.

Um auch das einmal einzuordnen: Hätte auch Jos Verstappen (106 Rennen für Benetton, Simtek, Arrows, Tyrrell, Stewart, Minardi zwischen 1994 und 2003) 22 Jahre GP-Rennen bestritten, wäre er bis 2017 geblieben – und hätte damit noch gegen seinen eigenen Sohn Max Verstappen gefahren. Ganz ausgeschlossen wäre das nicht gewesen: 2007 gab es Gerüchte, er würde für den niederländischen Sportwagen-Hersteller Spyker sein Formel-1-Comeback geben. 2017 wäre Verstappen senior auch erst 45 Jahre alt gewesen (wie Alonso 2026). Und in der IndyCar ist das mehrfach passiert: Vater Al Unser holte sich 1985 mit einem Punkt Vorsprung auf seinen Sohn Al Unser jr. den Titel. Michael Andretti ist in den Anfangsjahren – sogar im selben Newman-Haas-Team – gegen seinen Vater Mario und später – dann im eigenen Team – gegen seinen Sohn Marco gefahren.

Oder ein anderes Beispiel: Wäre auch Niki Lauda (171 WM-Rennen für March, BRM, Ferrari und McLaren von 1971 bis 1985) 22 Jahre Formel 1 gefahren, dann hätte er noch als aktiver Fahrer den ersten WM-Titel von Michael Schumacher 1994 miterlebt. Auch Lauda war damals 45 Jahre alt.

Alonso könnte Rekorde brechen

Fernando Alonso hat 32 Grands Prix gewonnen – was noch immer Platz sieben in der ewigen Bestenliste bedeutet. 2005 und 2006 holte er sich mit Renault sogar zweimal den WM-Titel.

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Fernando Alonso. Credit: Aston Martin F1 Team

Mit dem neuen Werkspartner Honda, dem synthetischen Kraftstoff von Aramco und Stardesigner Adrian Newey hoffen Alonso und sein Aston-Martin-Team, dass sie 2026 ganz vorne stehen. Dabei liegt Alonsos letzter Sieg bereits zwölf Jahre zurück (Spanien 2013 für Ferrari). Würde Alonso nach einer so langen Zeit noch einmal gewinnen, wäre das ein neuer Meilenstein. Riccardo Patrese hält noch immer den Rekord für die längste Durststrecke: Sechs Jahre, sechs Monate und 18 Tage vergingen zwischen seinen beiden Erfolgen in Südafrika 1983 (Brabham-BMW) und Imola 1990 (Williams-Renault).

Alonso wäre dann zudem unter den fünf ältesten Formel-1-Siegern aller Zeiten – der älteste seit Juan Manuel Fangio beim Deutschland-GP 1957 (Maserati). Zur Erinnerung: Als Alonso 2003 in Ungarn für Renault seinen ersten Grand Prix gewann, war er erst 22 Jahre und 26 Tage alt – damals der jüngste Sieger aller Zeiten, aber auch heute noch immer auf Rang vier der ewigen Jungsieger-Tabelle, überholt nur von Max Verstappen, Sebastian Vettel und Charles Leclerc.

Dickes Lob von Verstappen

Alonso selbst fühlt sich so gut wie eh und je: „Die Sache ist, dass du mit dem Alter beginnen kannst, die Motivation zu verlieren. Den Hunger, jeden Tag zu trainieren, in die Fabrik zu gehen, ins Auto zu steigen und dein Bestes abzurufen“, erklärt er. Aber: „Bei mir ist das im Moment noch nicht eingetreten.“ Reflexe, Sehkraft, Muskeln – alles sei noch immer im grünen Bereich. Nur der Rücken zwickt hier und da. In Ungarn 2025 hat er deswegen das erste Training ausgelassen.

Und weiter: „Ich denke, dass Fahrer mit dem Alter besser werden, weil du erfahrener bist und mehr Situationen kennst, die du in der Vergangenheit erlebt hast. Du kannst besser mit ihnen umgehen oder aus Fehlern lernen.“

Ein Beleg: Gegen Stallkollege Lance Stroll hat er die vergangenen 35 Qualifyings stets gewonnen – das schaffte zuvor kein Fahrer in der Geschichte gegen irgendeinen Teamkollegen.

Schlusswort von Max Verstappen: „Es ist schön zu sehen, dass er so viel Leidenschaft für den Sport hat.“

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Autor

Michael Zeitler
Michael Zeitler

Nach dem Politikwissenschaftsstudium stellte er fest: Interessant, aber der Motorsport ist dann doch spannender. Als Kind der Schumi-Ära hat Michael Zeitler kaum ein Formel-1-Rennen verpasst und Gefallen auch an anderen Rennserien wie der IndyCar gefunden. Nach ersten journalistischen Erfahrungen, etwa im Regionalfernsehen, kam er im Oktober 2015 als Volontär und schließlich als Redakteur zu AUTO BILD MOTORSPORT. Seit 2020 gehört er zum Team F1-Insider.


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