Formel 1

Ferrari gegen FOM: Hat die TV-Regie den Stallorder-Streit dramatisiert?

Formel 1 Hamilton Leclerc Ferrari China 2025
Lewis Hamilton und Charles Leclerc. Credit: Ferrari

Nach dem Großen Preis von China brodelt es hinter den Kulissen der Formel 1 – nicht wegen eines neuen Titelduells, sondern wegen eines TV-Funkspruchs.

Bianca Garloff
Bianca Garloff

Nach dem Großen Preis von China brodelt es hinter den Kulissen der Formel 1 – nicht wegen eines neuen Titelduells, sondern wegen eines TV-Funkspruchs.

Ferrari-Teamchef Frédéric Vasseur erhebt schwere Vorwürfe gegen die Weltregie der FOM: Man habe die Kommunikation zwischen Lewis Hamilton und der Box bewusst unvollständig gesendet – und damit einen Stallorder-Streit künstlich aufgeblasen.

Ferrari: Der Schein trügt

Was viele Zuschauer vor dem Fernseher sahen, klang wie ein kleiner Aufstand des neuen Ferrari-Stars. „Wir tauschen die Plätze in Kurve 14“, hieß es in Runde 20 von Renningenieur Riccardo Adami an Hamilton. Der entgegnete kühl: „Ja, wenn er näher rankommt.“

Formel 1 Lewis Hamilton Ferrari China 2025
Lewis Hamilton. Credit: Ferrari

Kurz darauf wurde der Ton schärfer – und Hamilton sagte: „Ich sage Euch, wann der Platzwechsel vollzogen wird.“

Die Folge: Kommentar und Social Media sahen den Briten als sturen Teamplayer, der Leclerc nur ungern passieren ließ. Doch wie sich später herausstellte, war es Hamilton selbst, der den Platztausch angeregt hatte. Grund: mangelnde Pace, Leclerc im Nacken – trotz beschädigtem Frontflügel.

Vasseur platzt der Kragen

Formel 1 Frédéric Vasseur Ferrari 2025
Frédéric Vasseur. Credit: Ferrari

Ferrari-Boss Vasseur ist entsprechend sauer. „Das war echt ein Witz von der FOM. Lewis hat zuerst gefragt, ob wir tauschen sollen – das wurde aber nicht gesendet. Stattdessen wurde der Eindruck erweckt, dass wir ihm den Befehl geben und er sich widersetzt“, so Vasseur bei Sky. Der Franzose will den Fall mit der FOM klären – und stellt klar: „Die Zusammenarbeit der beiden ist wirklich mega. Es gibt keinen Grund zur Sorge.“

Hamiltons Funkspruch mit dem Vorschlag zum Tausch wurde erst nach dem Rennen bekannt. Für Vasseur ist das ein Muster: Schon beim Rennen in Australien sei der Funkverkehr selektiv dargestellt worden, auch dort habe man den Eindruck erweckt, Hamilton sei genervt von seinem neuen Team.

FOM verteidigt sich

Die Formel-1-Organisation weist die Vorwürfe von sich. Ein Sprecher erklärte, es habe „keinerlei Absicht“ gegeben, Ferrari oder Hamilton schlecht dastehen zu lassen. Die Auswahl der Funksprüche sei rein redaktionell gewesen – und in dem Moment hätten andere Rennsituationen Priorität gehabt. Der erste Hamilton-Funkspruch sei deshalb „nicht absichtlich“ unter den Tisch gefallen.

Bleibt die Frage: War’s wirklich ein Versehen – oder doch ein bisschen Show? In einer Formel 1, die zunehmend auf Entertainment setzt, dürften solche Diskussionen nicht zum letzten Mal aufgeploppt sein.

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Autor

Bianca Garloff
Bianca Garloff

Mit einem Speedway-Stadion vor der Haustür aufgewachsen, Politik, Publizistik und Geschichte studiert, Michael Schumacher zugejubelt; mit dieser Kombination landet sie 2004 bei AUTO BILD. Volontariat auf der Springer-Journalistenschule. Als Redakteurin für AUTO BILD und SPORT BILD erst Schumi, dann Vettel und Rosberg auf den Fersen. Seit 2016 ist sie Redaktionsleiterin von AUTO BILD MOTORSPORT. 2020 wird sie zum Teil von F1-Insider.com, schreibt auch für SPORT1 und das Redaktionsnetzwerk Deutschland. Twitter: @bgarloff


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