Formel 1

Zu früher Entwicklungsstopp: Verzockt sich McLaren im Titelkampf?

Formel 1 Lando Norris McLaren Mexiko 2025
Lando Norris. Credit: Hector Vivas/Getty Images/McLaren

Red Bull wittert Morgenluft, McLaren schwächelt – und Teamchef Andrea Stella verteidigt den umstrittenen Entwicklungsstopp. Hat McLaren zu früh auf 2026 geschielt? 

Bianca Garloff
Bianca Garloff

Red Bull wittert Morgenluft, McLaren schwächelt – und Teamchef Andrea Stella verteidigt den umstrittenen Entwicklungsstopp. Hat McLaren zu früh auf 2026 geschielt? 

Im Titelkampf der Formel 1 spitzt sich die Lage zu – und plötzlich steht McLaren unter Rechtfertigungsdruck. Max Verstappen hat in den letzten vier Rennen 64 Punkte auf die WM-Spitze aufgeholt, während Oscar Piastri und Lando Norris in Mexiko weiter Federn ließen.

Ein möglicher Grund für den Trend: McLaren hat bereits im Sommer die Entwicklung des aktuellen MCL38 gestoppt, um alle Ressourcen auf das neue 2026-Projekt zu lenken. Eine riskante Entscheidung, denn Red Bull hat in Monza ein großes Unterboden-Update gebracht und schließt rasant auf. Selbst zum aktuellen Rennen in Mexiko reisten die Bullen mit weiteren Neuerungen an – dem größtem Upgrade-Paket aller Teams. Das zeigt: Die Mannschaft um Max Verstappen will es wissen!

McLaren-Teamchef verteidigt Entscheidung

Doch McLaren-Teamchef Andrea Stella bleibt gelassen: „Wir bereuen diesen Schritt nicht“, sagt er. „Aerodynamisch waren wir am Limit. Wir hätten Wochen gebraucht, um nur ein Zehntel zu finden. Das war ein Plateau – kein Entwicklungsfeld.“

Formel 1 Oscar Piastri McLaren Mexiko 2025
Oscar Piastri. Credit: Sam Bagnall/Sutton Images/McLaren

Für Stella war der frühe Fokuswechsel strategisch notwendig: „Das 2026er-Projekt wäre stark kompromittiert gewesen, wenn wir weiter am aktuellen Auto gearbeitet hätten“, erklärt er. „Wir wollen in Zukunft Weltmeisterschaften gewinnen, und dafür brauchen wir ein Auto, das von Anfang an konkurrenzfähig ist.“

McLaren führt zwar die Konstrukteurs-Wertung an, darf als Tabellenführer aber am wenigsten Windkanalzeit nutzen: Nur 224 Runs, während Red Bull 272 absolvieren darf. „Das zwingt uns zu Disziplin“, so Stella. „Aber beim 2026er-Auto machen wir jede Woche Fortschritte.“

Red Bull entwickelt weiter – aber zu welchem Preis?

Während McLaren spart, geht Red Bull All-In.  Stella vermutet allerdings, dass dieser Aufwand nicht ohne Risiko ist: „Vielleicht opfern sie schon etwas 2026er-Entwicklung, weil sie dort größere Herausforderungen haben.“

Formel 1 Max Verstappen Red Bull Mexiko 2025
Max Verstappen. Credit: Getty Images / Red Bull Content Pool

Ein Seitenhieb auf Red Bulls eigenes Motorenprojekt, das 2026 mit Red Bull Powertrains unter dem Namen Ford an den Start geht. Im Paddock heißt es, die neue Einheit könnte der Konkurrenz hinterherhinken. McLaren-Lieferant Mercedes gilt derzeit als Favorit auf den stärksten Motor im neuen Reglement.

Marko kontert: „Wir entwickeln traditionell bis zum letzten Rennen – das war 2021 genauso. Und da hat Toto Wolff sich auch Sorgen gemacht“, so der Österreicher süffisant. Damals baute Red Bull parallel zum Titelkampf schon das nächste WM-Auto.

Fest steht: McLarens mutiger Entwicklungsstopp könnte sich als genialer Schachzug erweisen – oder als Bumerang, wenn Verstappen in den letzten fünf Rennen noch vorbeizieht. Der Showdown läuft.

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Autor

Bianca Garloff
Bianca Garloff

Mit einem Speedway-Stadion vor der Haustür aufgewachsen, Politik, Publizistik und Geschichte studiert, Michael Schumacher zugejubelt; mit dieser Kombination landet sie 2004 bei AUTO BILD. Volontariat auf der Springer-Journalistenschule. Als Redakteurin für AUTO BILD und SPORT BILD erst Schumi, dann Vettel und Rosberg auf den Fersen. Seit 2016 ist sie Redaktionsleiterin von AUTO BILD MOTORSPORT. 2020 wird sie zum Teil von F1-Insider.com, schreibt auch für SPORT1 und das Redaktionsnetzwerk Deutschland. Twitter: @bgarloff


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