Formel 1

McLaren und die Kunst, eine WM in Gefahr zu bringen

Formel 1 Lando Norris McLaren Las Vegas 2025
Lando Norris. Credit: Clive Rose/Getty Images/McLaren

McLaren stolpert über einen eigenen Technikfehler – und bringt eine fast sichere WM plötzlich ins Wanken. Das darf nicht passieren. Ein Kommentar.

Bianca Garloff
Bianca Garloff

McLaren stolpert über einen eigenen Technikfehler – und bringt eine fast sichere WM plötzlich ins Wanken. Das darf nicht passieren. Ein Kommentar.

Es ist eine Kunst, die nur McLaren mit dieser Selbstverständlichkeit beherrscht: eine WM in Gefahr zu bringen, die schon sicher schien. Erinnern Sie sich an 2007? Da hatten Fernando Alonso und Lewis Hamilton mit dem damals noch in Silber lackierten Pfeil aus Woking das beste Auto. Und mit ganz viel teaminternem Streit und dem ein oder anderen (technischen) Aussetzer haben sie es dennoch geschafft, Kimi Räikkönen im Ferrari zum bisher letzten Weltmeister in Rot zu machen.

Und ja, das aktuelle McLaren-Team agiert derzeit ganz in dieser Tradition. Das Team, das sich seit den Zeiten eines Ron Dennis als Sinnbild moderner Perfektion versteht und nach dem Konstrukteurs-WM-Titel mit Lando Norris bereits eine Hand auch am Fahrer-WM-Pokal wähnte, bringt mit der selbstverschuldeten Disqualifikation von Las Vegas eine ganze Saison ins Wanken. 

McLaren: Statt Joker-Wochenende kommt das große Zittern

Formel 1 Lando Norris McLaren Las Vegas 2025
Lando Norris. Credit: Glenn Dunbar/LAT Images/McLaren

Das Joker-Wochenende jedenfalls, das Norris und sein Papaya-Team inklusive Matchball in Katar gehabt hätten, wird jetzt zum echten Thriller. Mit einem T-Max Verstappen, der spätestens jetzt in T-Rex-Manier Blut geleckt hat.

Schuld ist eine Unterbodenplatte, der nur ein Zehntelmillimeter zur McLaren-Glückseligkeit fehlte. Den Unterschied zwischen 42 Punkten und nur 24 Pünktchen Vorsprung machte praktisch ein abgeriebenes Titanplättchen, dem Material so dick wie ein Stück Alufolie fehlte. McLaren besteht darauf: Es war keine Sabotage, keine Trinkerei am Limit – auch wenn der Flurfunk des Fahrerlagers es in Teilen zumindest anders bewertet. 

Egal. So oder so darf so ein Fauxpas dem WM-Führenden mit einem Max Verstappen im Nacken nicht passieren. So eine Luxussituation riskiert man nicht mit einem banalen Fehler.

McLaren gibt Verstappen die Hoffnung zurück

Formel 1 Max Verstappen Red Bull Las Vegas 2025
Max Verstappen. Credit: Getty Images / Red Bull Content Pool

Denn das Team, das nach einem bitteren Absturz ins Formel-1-Nirvana vom deutschen Teamchef Andreas Seidl zurück in die Spur gebracht wurde und mittlerweile im Kreis der Top-Teams angelangt ist, leidet nicht nur unter den fehlenden Punkten durch die Disqualifikation. Es wankt nicht nur, weil die eigenen Selbstzweifel jetzt immer größer werden. Nein, vor allem hat es Verstappen gerade die Hoffnung zurückgegeben, die man ihm in Suzuka, in Austin, in Mexiko eigentlich schon genommen hatte. 

Und Hoffnung ist bekanntlich das gefährlichste Werkzeug im Koffer eines Champions vom Format eines Max Verstappen.

Déjà-vu 2007: Sind die Vibes zurück?

Umgekehrt geht bei McLaren und Norris jetzt das ganz große Zittern los. Und der Blick in den Rückspiegel, in dieses vermaledeite Jahr 2007. Umgerechnet auf das heutige Punktesystem hatte man damals zwei Rennen vor Schluss komfortable 42,5 Punkte Vorsprung auf Kimi Räikkönen. Und da gab es noch nicht mal einen Sprint. Trotzdem brachte sich McLaren selbst um den Titel. Wer damals schon die Formel 1 verfolgt hat, weiß: Die Vibes ähneln sich.

Erleben wir jetzt also tatsächlich die Parallele mit Verstappen in Kimi Räikkönens Schuhen? Fest steht: Die Saison war eigentlich McLarens Meisterstück. Jetzt könnte sie zur großen Mahnung werden: Wenn du von einem wie Verstappen gejagt wirst, darfst du dir keine Zehntelmillimeter erlauben. Schon gar keine fehlenden.

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Autor

Bianca Garloff
Bianca Garloff

Mit einem Speedway-Stadion vor der Haustür aufgewachsen, Politik, Publizistik und Geschichte studiert, Michael Schumacher zugejubelt; mit dieser Kombination landet sie 2004 bei AUTO BILD. Volontariat auf der Springer-Journalistenschule. Als Redakteurin für AUTO BILD und SPORT BILD erst Schumi, dann Vettel und Rosberg auf den Fersen. Seit 2016 ist sie Redaktionsleiterin von AUTO BILD MOTORSPORT. 2020 wird sie zum Teil von F1-Insider.com, schreibt auch für SPORT1 und das Redaktionsnetzwerk Deutschland. Twitter: @bgarloff


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