Formel 1

Jürgen Hubbert ist tot: Nachruf auf Mister Mercedes

Ex-Mercedes-Vorstand Jürgen Hubbert. Credit: Daimler/Twitter
Ex-Mercedes-Vorstand Jürgen Hubbert. Credit: Daimler/Twitter
Ralf Bach
Ralf Bach

Ex-Mercedes-Vorstand Jürgen Hubbert ist am 12. Januar verstorben. Ein sehr persönlicher Nachruf unseres Chefredakteurs Ralf Bach

Mich erreichte die Nachricht vom Tod Jürgen Hubberts am Freitag. Der ehemalige Mercedes-Vorstand ist am 12. Januar im Alter von 81 Jahren in Sindelfingen verstorben.

Ich habe ihn als visionären Mann kennengelernt, der für mich etwas Spezielles Weltmännische ausstrahlte. Etwas Weltmännisches, das einem jenes Vertrauen gibt, dass da jemand ohne große Emotionen immer an der Sache orientiert die richtigen Entscheidungen trifft.

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Allein: Trotz seiner exorbitanten Position blieb er immer am Boden, nahm sich immer die Zeit zuzuhören und zu diskutieren. Das zeugte von einem, dessen Herz sich am rechten Fleck befand.

Eines der Highlights: Ein Interview für DIE WELT, das ich mit ihm führen durfte. Er empfing mich in seinem Büro, redete rund 30 Minuten Klartext. Als ich ihm das Interview vorlegte, es war eine ganze Seite lang, änderte er noch nicht einmal ein Komma. Das war mir neu und sehr ungewöhnlich, zeigte aber seine Klasse und Souveränität.

Ohne Hubbert gäbe es die Silberpfeile der Neuzeit nicht

Fest steht: „Für Mister Mercedes“, wie ihn der heutige Mercedes-Chef Ola Källenius voller Dankbarkeit und Ehrfurcht nannte, war Motorsport bei Mercedes Leidenschaft und Berufung zugleich – ohne ihn gäbe es keine Silberpfeile der Neuzeit, vermutlich auch keinen Michael Schumacher, weil Hubbert einer der Initiatoren des Juniorteams war, das Mercedes 1990 mit Schumacher, Heinz-Harald Frentzen und Karl Wendlinger ins Leben rief.

Jürgen Hubbert 2010 mit Nico Rosberg und Michael Schumacher. Credit: Mercedes

 Von seinen vielen Analysen und Klartext-Sätzen haben sich mir besonders zwei ins Hirn gebrannt. Einmal fragte ich ihn 1999, wie und ob man feststellen könne, dass sich Erfolge und Engagement im Motorsport auch in vermehrten Autoverkäufen niederschlugen. „Es gibt keine Beweise, aber Indizien“, antwortete er. „Es ist sicher kein Zufall, dass 80 Prozent der neuen C-Klasse-Kunden ihr Auto in der Farbe Silber haben wollen.“

Vor vier Jahren in Austin hatte ich ein zweites Erlebnis der besonderen Art. Besorgt darüber, dass das Formel-1-Engagement von Mercedes immer mehr als englische Erfolgsstory vermarktet wurde, sagte er mir: „Sie müssen aufpassen, dass sie ihre Wurzeln nicht verbrennen.“

So trauert Bernie Ecclestone um Hubbert

Für Ex-Formel-1-Boss Bernie Ecclestone (90) hätte es die Mercedes-Erfolge, aber auch den Stellenwert, den der Weltkonzern Daimler heute in der Szene genießt, nie gegeben. „Jürgen Hubbert war ein extrem analytischer und intelligenter Mensch, der nicht nur das Heute sah, sondern auch das Morgen und Übermorgen“, erzählte er mir traurig am Telefon. „Selbst wenn er nicht meiner Meinung war, versuchte er immer eine Lösung zu finden, die für alle die Beste war. Er hat die Silberpfeil-Ära der Neuzeit nicht nur geprägt, er hat sie erschaffen.“

Das große Herz von Mister Mercedes hat am 12. Januar aufgehört zu schlagen. Sein Geist lebt weiter.

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Autor

Ralf Bach
Ralf Bach

Ralf Bachs Zuhause ist der Formel-1-Zirkus. Seit rund 30 Jahren berichtet er für SPORT BILD, AUTO BILD MOTORSPORT, SPORT1 und das Ippen-Netzwerk (TZ München, Frankfurter Rundschau) von der Königsklasse. Für seine exklusiven Stories wurde er in die „Paddock Hall of Fame“ der Formel 1 aufgenommen. Auf F1-Insider.com schildert er, wie die Protagonisten ticken. Twitter: @ralfbond


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