Fast alle Experten schreiben McLaren-Pilot Oscar Piastri nach einer Negativspirale im Titelkampf ab, nur einer nicht.
Was für eine Talfahrt: Noch vor wenigen Wochen galt Oscar Piastri als größter Favorit auf den WM-Titel. Der junge McLaren-Pilot aus Australien gewann Ende August den Großen Preis der Niederlande, während Teamkollege Lando Norris (25) ausschied und der amtierende Weltmeister Max Verstappen (28) nur als Zweiter hinter ihm ins Ziel kam. Piastri führte mit 309 Punkten die Gesamtwertung an. Norris lag 34 Zähler zurück, und Verstappens Rückstand auf den Australier galt mit 104 Punkten als aussichtslos.
Allein: Fünf Rennen später erlebt Piastri die härteste Phase seiner noch jungen Formel-1-Karriere. Der Australier hat in den vergangenen vier Rennen kein Podium gesehen und die WM-Führung verloren. Sein einst komfortabler Vorsprung ist Geschichte: Nur noch ein Punkt trennt ihn von Teamkollege Norris, während Verstappen mit 36 Punkten Rückstand wieder in Schlagdistanz liegt. Der Trend ist eindeutig. Der Triumphator des Sommers entwickelt sich im Herbst zum Geier-Sturzflug der Königsklasse.

Villeneuve: „Piastri ist am Limit“
Experten wie Jacques Villeneuve sind sich sicher: „Piastri ist am Limit, kann sich nicht mehr steigern. Norris dagegen fühlte sich am Anfang des Jahres nicht wohl im Auto. Jetzt passt der Wagen zu ihm und deshalb ist er klar vorne im Stallduell. Es lag also an ihm und nicht an Piastri.“
So wie Villeneuve denken viele: Norris gilt als klarer Favorit in den letzten vier Rennen des Titelkampfes. Nur einer hält dagegen: Ex-Toro-Rosso-Teamchef Franz Tost. Der Tiroler zu F1-Insider: „Auch im letzten Jahr hatte Piastri Probleme in Austin, Singapur oder Mexiko. Man darf eins nicht vergessen: Er hat immer noch viel weniger Erfahrung als Teamkollege Norris, das sollte man nicht unterschätzen.“
Und weiter: „Piastri muss jetzt noch das Rennen in Brasilien überstehen, dann kommen mit Las Vegas, Katar und Abu Dhabi drei Kurse, auf denen er gut war und wieder sein wird. Er ist nur einen Punkt hinter Norris zurück. Ihn abzuschreiben wäre deshalb ein Riesenfehler. Auch weil ich ihn mental stärker als Norris einschätze.“
Schumacher: „Piastri braucht jetzt Führung“
Allein: Ex-Formel-1-Pilot Ralf Schumacher hat eine wichtige Beobachtung gemacht. „Piastri hat das Gefühl, dass die Dinge im Team anders laufen als früher“, sagt der Sky-Experte. „Er muss wieder selbstbewusster werden und darauf vertrauen, dass McLaren ihn nicht benachteiligt. Dafür bräuchte er jetzt aber einen Berater, der ihm das gewachsene Misstrauen wieder nimmt. Ich weiß allerdings nicht, ob sein Manager Mark Webber dafür der richtige ist.“
Was der heutige Sky-Experte meint: Webber, Landsmann des McLaren-Stars und ehemaliger Teamkollege von Sebastian Vettel bei Red Bull, fühlte sich im Titelduell gegen den Deutschen 2010 benachteiligt und entwickelte damals einen regelrechten Verfolgungswahn. Viele Beobachter glauben deshalb, dass Webbers altes Nummer-2-Trauma jetzt wieder hochkommt und er Piastri eher aufhetzt als beruhigt.

Am Ende könnte Titelverteidiger Max Verstappen der lachende Dritte sein. Der Niederländer hat nur 36 Zähler Rückstand auf Norris und gilt als der mit Abstand beste Fahrer. Deshalb ist Red-Bull-Berater Helmut Marko auch überzeugt: „Max ist wie ein Jagdhund. Wenn der Beute gewittert hat, lässt er nicht mehr locker. Wir haben außerdem den Vorteil, dass sich bei uns alles auf Max konzentriert. Die Chance lebt.“
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