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Wolff watscht Russell ab: Crash kostet Geld

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Valtteri Bottas. Credit: F1/Twitter

Nach dem Crash zwischen Valtteri Bottas und George Russell in Imola macht der Chef der beiden Formel-1-Stars einen Schuldigen aus

Bianca Garloff
Bianca Garloff

Nach dem Crash zwischen Valtteri Bottas und George Russell in Imola macht der Chef der beiden Formel-1-Stars einen Schuldigen aus

Mercedes-Teamchef Toto Wolff befindet sich angesichts des Unfalls zwischen Valtteri Bottas und Williams-Nachwuchsstar George Russell in einer misslichen Lage. Einerseits ist er Teamchef und auch Ex-Manager des Finnen, den es für den Mercedes-WM-Kampf gegen Red Bull zu stärken gilt. Andererseits hat er auch George Russell ins Mercedes-Juniorteam geholt und ihm als Förderer immer wieder signalisiert: Du bist unsere Zukunft. Nicht zuletzt, nachdem Russell Weltmeister Lewis Hamilton 2020 bei dessen Corona-Infektion in Bahrain ersetzen durfte und im schwarzen Silberpfeil glänzte.

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George Russell und Valtteri Bottas kollidieren beim Imola GP. Credit: F1/Twitter

Der Crash beim Großen Preis der Emilia Romagna in Imola ist ein Resultat dieser Gemengelage. Das glaubt jedenfalls auch George Russell, der die brisante Konstellation mit dafür verantwortlich machte, dass sich Bottas überhaupt so hart verteidigt hat. Dafür bekommt er vom Mercedes-Teamchef jetzt eine verbale Abmahnung.

Wolff sauer: „Das ist Bullshit. Es gibt im Leben nie Situationen, in denen einer zu 100 Prozent schuld ist und der andere gar nicht. Diese Situation hätte nie passieren sollen“, räumt Wolff zwar ein, watscht dann aber Russell ab. „George hätte dieses Manöver nicht starten sollen, denn die Strecke ist abgetrocknet. Das hat Risiko bedeutet.“

Was für den Wiener fast noch wichtiger ist: die oben erwähnte Konstellation mit Russell als Mercedes-Junior und Kandidat auf ein Silberpfeil-Cockpit 2022. „Das andere Auto vor ihm war ein Mercedes“, betont Wolff und macht gleichzeitig klar, dass der junge Brite für Mercedes hätte bremsen müssen. „In einem Young Driver Programm darfst du diese globale Perspektive nie verlieren! Es gibt viel für ihn zu lernen.“

Toto Wolff spielt Schiedsrichter

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Toto Wolff. Credit: Mercedes/Twitter

Bei Sky England legt der Österreicher nach: „Wenn du einen guten Job machst, fährst du eines Tages einen Mercedes, wenn nicht, dann im Renault Clio Cup. Das war heute näher dran am Renault Clio Cup.“

Heftige Aussagen, mit denen Wolff den Mannschaftsinternen Schiedsrichter spielt und Russell zum Sündenbock abstempelt. „Es ist nass, da ist es ein Risiko zu überholen. Und die Chancen stehen ohnehin schlecht für ihn, wenn die Strecke abtrocknet. Ich will nicht, dass er versucht, uns irgendetwas zu beweisen. Eine Sache, die ich sagen kann, ist: Valtteri ist seit fünf Jahren hier und er hat nie versucht, uns irgendetwas zu beweisen.“

Bottas zeigte in seiner Presserunde nach solcher Rückendeckung souverän. „George setzte zum Überholen an und hat das Auto verloren. Game Over“, beschreibt der Finne das Manöver aus seiner Sicht. Zur Erinnerung: Der Brite attackierte Bottas vor der ersten Schikane, die nach der berühmt-berüchtigten Tamburello benannt ist. Der Finne machte leicht die Tür zu, so dass Russell vor Schreck mit den rechten Rädern aufs Gras kam und abflog. Den Mercedes nahm er gleich mit.

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Valtteri Bottas und George Russell „diskutieren“ nach ihrem Crash beim Imola GP 2021. Credit: F1 TV

Bottas über den Stinkefinger, den er dem aufgebrachten Russell noch aus dem Cockpit heraus zeigte: „Der erste Aufprall war sehr hart, aber ich war auch sauer, weil ich wusste, ich habe Punkte verloren. Ich habe jedenfalls keine plötzlichen Bewegungen gemacht und genug Platz gelassen. Wenn ich Rennen fahre, habe ich Respekt. Aber ich werde mich immer gegen jeden Fahrer verteidigen. Ich habe mein Ding gemacht – wer mein Gegner ist, war mir egal. Mein Gefühl ist, dass ich nicht derjenige bin, der an diesem Crash Schuld ist.“

Dieses Gefühl gibt ihm eben auch Toto Wolff. „Ich will nicht zu sehr ins Detail gehen“, so Bottas. „Aber Toto sagte mir, er wird mit ihm (Russell; d. Red.) sprechen.“

Der Mercedes-Teamchef sitzt in diesem Fall aber nicht nur zwischen den Stühlen. Er bekommt noch ein ganz anderes Problem. „Unser Auto kann man fast komplett abschreiben“, bewertet der Österreicher den entstandenen Schaden. „Mit der Budgetobergrenze ist das definitiv nichts, was wir gebraucht haben. Wahrscheinlich werden dadurch die Upgrades limitiert, die wir machen können.“

Hintergrund: 2021 dürfen die Teams maximal 145 Millionen Dollar ausgeben. Der Unfall reduziert nun das Budget für Weiterentwicklungen. Wolff: „Das bedeutet weniger Performance am Auto.“ Wenn zwei sich streiten, freut sich Red Bull …

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Bianca Garloff
Bianca Garloff

Mit einem Speedway-Stadion vor der Haustür aufgewachsen, Politik, Publizistik und Geschichte studiert, Michael Schumacher zugejubelt; mit dieser Kombination landet sie 2004 bei AUTO BILD. Volontariat auf der Springer-Journalistenschule. Als Redakteurin für AUTO BILD und SPORT BILD erst Schumi, dann Vettel und Rosberg auf den Fersen. Seit 2016 ist sie Redaktionsleiterin von AUTO BILD MOTORSPORT. 2020 wird sie zum Teil von F1-Insider.com, schreibt auch für SPORT1 und das Redaktionsnetzwerk Deutschland. Twitter: @bgarloff


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