Formel 1

Marko zieht außergewöhnlichen Verstappen-Vergleich

Formel 1 Dr. Helmut Marko und Max Verstappen
Dr. Helmut Marko und Max Verstappen. Credit: Red Bull Content Pool
Bianca Garloff
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Helmut Marko hat mit Lauda, Rindt und Vettel gearbeitet – und sieht in Max Verstappen eine besondere Ausnahme.

Wenn Helmut Marko über große Rennfahrer spricht, hört die Formel-1-Welt genau hin. Der frühere Red-Bull-Strippenzieher hat Generationen erlebt – von Jochen Rindt über Ayrton Senna bis hin zu Sebastian Vettel. Und doch macht er bei einem Namen eine klare Einschränkung: Max Verstappen.

Vergleiche mit Legenden seien schwierig, betont Marko. Trotzdem erkennt der ehemalige Red Bull-Motorsportchefberater Parallelen zu einem seiner wichtigsten Weggefährten: Jochen Rindt. „Optisch ist Rindt ganz anders als Max. Max ist eher der elegante, junge ›Lieblingsschwiegersohn‹. Rindt hatte immer eine Zigarette im Mund.“

Doch entscheidend sei nicht das Äußere, sondern der Kern. „Bezüglich Fahrstil und Philosophie, immer ans Maximum zu gehen, gibt es eine große Ähnlichkeit.“

Marko über Verstappen: „Ein 15-Jähriger mit dem Geist eines 25-Jährigen“

Besonders prägend sei für Marko das erste Treffen mit Verstappen gewesen. „Das erste Gespräch mit Max ging weit über die normale Zeit hinaus“, erinnert er sich. Sein Fazit damals: „Da ist ein 15-jähriger Körper mit dem Geist eines 25-Jährigen.“

Verstappen sei früh außergewöhnlich fokussiert gewesen. „Er wusste genau, was er wollte. Und man hat sofort gemerkt: Er wird alles machen, um das zu erreichen.“ Rindt hingegen sei ein anderer Typ gewesen: „Er war eher der Abenteurer – mit vollem Einsatz hinein. Nicht so analytisch wie Max.“

Max Verstappen, Lee Stevenson, Credit: Red Bull Content Pool
Max Verstappen, Lee Stevenson, Credit: Red Bull Content Pool

Marko macht aber auch klar, wie sehr sich der Motorsport verändert hat. „Damals gab es keine Simulatoren, keine Sensoren. Da war das ,Popometer‘ noch entscheidend.“ Heute gelte: „Wenn du nicht im richtigen Auto sitzt, hilft dir das größte Talent nichts.“

Und doch sieht Marko erneut eine Ausnahme – Verstappen. „Max zeigt, dass man mit einem Auto, das nicht absolute Spitze ist, Siege einfahren kann – wegen seiner unglaublichen Fahrzeugbeherrschung und weil er viel gelernt hat.“

Sogar im Vergleich mit Lewis Hamilton sieht Marko eine Entwicklung: „2021 war Hamilton noch der bessere Reifenversteher – inzwischen ist Max auch in dem Bereich der Meister.“

70er-Jahre? „Max eher als Rindt heute“

Bleibt die Frage nach dem Zeitvergleich. Hätte Verstappen auch in den wilden 70ern bestehen können? Markos Antwort ist eindeutig: „Eher sehe ich Max in den 70ern als Jochen heute.“ Und ergänzt trocken: „Jochen hätte sich sicher nicht stundenlang hingesetzt und Analysen gemacht.“

Ein Satz, der viel über beide sagt – und darüber, warum Marko Verstappen für einen der komplettesten Fahrer der Formel-1-Geschichte hält.

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Autor

Bianca Garloff
Bianca Garloff

Mit einem Speedway-Stadion vor der Haustür aufgewachsen, Politik, Publizistik und Geschichte studiert, Michael Schumacher zugejubelt; mit dieser Kombination landet sie 2004 bei AUTO BILD. Volontariat auf der Springer-Journalistenschule. Als Redakteurin für AUTO BILD und SPORT BILD erst Schumi, dann Vettel und Rosberg auf den Fersen. Seit 2016 ist sie Redaktionsleiterin von AUTO BILD MOTORSPORT. 2020 wird sie zum Teil von F1-Insider.com, schreibt auch für SPORT1 und das Redaktionsnetzwerk Deutschland. Twitter: @bgarloff


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