Red Bull zeigt erstmals die neue Lackierung – doch hinter den Kulissen sorgt Max Verstappens Vertrag für Nervosität.
Autoren: Bianca Garloff, Ralf Bach
Heute Nacht um 4 Uhr deutscher Zeit bekommt Max Verstappen seinen neuen Dienstwagen. In Teilen zumindest. Die Lackierung des neuen Red Bull wird dann in Detroit präsentiert – zur Ehre des neuen Motorpartners Ford an dessen US-Firmensitz.
Möglich macht den Einstieg des traditionsreichen US-Autoherstellers ein neues Antriebsreglement. Fast 50 Prozent der Energie kommen ab 2026 aus einem Elektromotor, der mit dem altbekannten 1,6-Liter-V6-Turbo zusammenarbeitet. Wie Audi nutzt auch Ford den Regelwechsel, um sich in der boomenden Königsklasse seiner Käuferschaft zu präsentieren.
Neuer Ford-Antrieb entsteht bei Red Bull Powertrains
Allein: Gebaut wird das Triebwerk bei Red Bull Powertrains in Milton Keynes am Stammsitz von Red Bull Racing. Ford steuert lediglich den Namen bei – und unterstützt mit seiner Expertise. De facto rasen Verstappen und sein neuer Teamkollege Isack Hadjar aber mit einem eigenen Red-Bull-Motor.
Ob das Experiment gelingt, steht in den Sternen. Alle Teams und Hersteller beginnen praktisch bei null. Längst ist von einem Mercedes-Vorteil die Rede, wie ihn sich der Stuttgarter Autobauer auch 2014 schon zu Beginn des Hybrid-Reglements erarbeitet hatte. Davon würden auch McLaren, Williams und Alpine als Kundenteams profitieren.

Ob Verstappen unter diesen Rahmenbedingungen also den WM-Titel von McLaren-Pilot Lando Norris zurückerobern kann, ist fraglich. Wenn Antrieb und neues Chassis – das erste, das ganz ohne den Hirnschmalz von Design-Genie Adrian Newey entsteht – nicht auf der Rennstrecke harmonieren, nützt auch die Ruhe nichts, die nach dem Aus von Ex-Teamchef Christian Horner im Sommer vergangenen Jahres auch dank Teamchef Laurent Mekies ins Team zurückgekehrt ist.
Deshalb spekulieren die ersten Medien bereits über einen vorzeitigen Abschied Verstappens von Red Bull – womöglich in Richtung Mercedes. So berichtet SPORT BILD von einseitigen Austrittsklauseln des viermaligen Champions. Demnach kann der Niederländer Red Bull trotz Vertragslaufzeit bis 2028 verlassen, wenn er zur Sommerpause nicht mindestens auf WM-Rang zwei liegt.
2027 wäre der Abschied noch einfacher, denn dann muss Verstappen die WM zum selben Zeitpunkt sogar anführen, damit Red Bull ihn festnageln kann.
Verstappens Vertrags-Klauseln sorgen für „Stirnrunzeln“
Auf F1-Insider-Nachfrage wollten die Beteiligten die Richtigkeit dieser detaillierten Vertragsinhalte nicht bestätigen. Doch dass Red Bull Angst um sein Zugpferd hat, scheint ausgemachte Sache. Nicht umsonst schreibt SPORT BILD auch davon, dass die „Entscheidung (zur Vertragsgestaltung; d. Red.) intern für Stirnrunzeln sorgt“.
Allein: Ex-Red-Bull-Chefberater Helmut Marko, dem in dem Artikel die Schuld an dem für Red Bull Racing nachteiligen Konstrukt in die Schuhe geschoben wird, ist nach F1-Insider-Informationen nicht allein verantwortlich für die Zugeständnisse, die der österreichische Energy-Drink-Konzern seinem Superstar machen musste. Hintergrund: Die Vertragsverlängerung wurde noch von Oberbulle Dietrich Mateschitz persönlich abgesegnet.
„Am schnellsten war der längste und teuerste Formel-1-Vertrag von Max Verstappen geklärt“, verriet Marko bereits im vergangenen Jahr im Gespräch mit F1-Insider. Und weiter: „Mateschitz war klar: Ohne Verstappen werden wir nicht mehr Weltmeister.“ Sollte sich der neue Red-Bull-Sportchef Oliver Mintzlaff ergo tatsächlich an bestimmten Klauseln im Kontrakt des Superstars stoßen, muss er sich beim verstorbenen Red-Bull-Gründer höchstpersönlich bedanken.
Verstappen gibt sich loyal

Bleibt die Frage, ob Verstappen wirklich jetzt schon über einen Wechsel nachdenkt. Der Niederländer gilt als sehr loyal und will Red Bull eigentlich längstmöglich treu bleiben. Das betonte er auch kürzlich wieder in einem Interview mit dem Schweizer Blick. „Ich bin jetzt 28 und habe noch bis 2028 einen Vertrag mit Red Bull. Den möchte ich auch erfüllen“, konstatierte er da. „Zum jetzigen Zeitpunkt schließe ich einen Teamwechsel aus.“
Logisch: Die Tür hält er sich mit dieser Formulierung natürlich einen Spalt weit offen. Aber: Am Ende liegt es an Red Bull, ob ihr Juwel im Cockpit bleibt oder geht. Stellt das Team Verstappen ein siegfähiges Paket zur Verfügung, sieht er keinen Anlass zum Abschied. Fährt Red Bull dagegen hinterher, könnte ihn auch kein noch so wasserdichter Vertrag halten.
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