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24h Le Mans Toyota GR Supra GT4 100th Edition: Auf PS-Pilgerfahrt nach Le Mans

Road to Le Mans Toyota Supra Martin Westerhoff 2025
Credit: M. Westerhoff

Mit einer limitierten Supra folgen wir Toyotas Langstrecken-Team auf dem Weg zum Saisonhighlight nach Le Mans – und erleben Motorsport von gestern und heute.

Martin Westerhoff
Martin Westerhoff

Mit einer limitierten Supra folgen wir Toyotas Langstrecken-Team auf dem Weg zum Saisonhighlight nach Le Mans – und erleben Motorsport von gestern und heute.

Das Herz von Toyota Gazoo Racing in Europa schlägt in Köln. Auf einem Parkplatz im etwas unscheinbaren Stadtteil Marsdorf steht das Objekt unserer Begierde, bereit für eine Pilgerfahrt der besonderen Art. Während die beiden Hypercar-Rennwagen Toyota GR010 Hybrid ihre Reise zum 24-Stunden-Rennen von Le Mans bereits vor uns profan per Lkw antraten, nehmen wir die Verfolgung auf – im wohl exklusivsten Begleitfahrzeug, das man sich wünschen kann: der Nummer eins von nur 100 gebauten Toyota GR Supra GT4 100th Edition Tribute.

Road to Le Mans Toyota Supra Martin Westerhoff 2025
Die zurückgebliebenen Gebäude der historischen Rennstrecke Reims-Gueux versprühen ihren eigenen Charme. Credit: M. Westerhoff

Unser Arbeitsgerät für die nächsten 700 Kilometer leuchtet in „Plasma Orange“ und ist eine Hommage an den GT4-Rennwagen. Unter der langen Haube erwacht der bekannte Dreiliter-Turbo mit 340 PS per Knopfdruck zum Leben. Doch das wahre Highlight für Puristen kommt jetzt: den Schaltknauf des manuellen Sechsgang-Getriebes drücken wir nach vorn, in den ersten Gang. Kupplung kommen lassen, und der Sechsender faucht heiser auf. Vorbei geht es am Tor des High-Tech-Motorsportstandorts, im Hintergrund erhaschen wir einen Blick auf das dominante Gebäude des eigenen Windkanals. Le Mans, wir kommen!

Toyota GR Supra GT4 100th Edition: Ardennen-Achterbahn zur Einstimmung

Aus dem Gewerbegebiet an der westlichen Stadtgrenze der Rheinmetropole geht es direkt auf die A4. Bei Aachen lassen wir Deutschland und die Autobahn hinter uns, tauchen ein in das Kurvengeschlängel der belgischen Ardennen. Auf diesen Landstraßen, der Heimat der legendären Rennstrecke von Spa-Francorchamps, fühlt sich der japanische Sportwagen pudelwohl. Das manuelle Getriebe wird zum Taktstock, der Motor zum Orchester. Jedes Runterschalten ein Genuss, jede Kurve eine Einladung. Denn ein automatischer Stoß Zwischengas stabilisiert nicht nur die Hinterachse, sondern ist ein fauchender Wohlklang für die Ohren.

Road to Le Mans Toyota Supra Martin Westerhoff 2025
Der Verkehr um Paris ist immer für Überraschungen gut – wir stören uns nicht dran. Credit: M. Westerhoff

Unser erster Stopp liegt jedoch hinter der französischen Grenze, in der Champagne. Hier wartet ein magischer Ort: die historische Rennstrecke von Reims-Gueux. Von 1926 bis 1966 dröhnten hier die Motoren. Übrig geblieben ist die gespenstische Kulisse der ehemaligen Start-Ziel-Geraden mit patinierten Boxengebäuden und Tribünen. Ein „Lost Place“ voller Renngeschichte, an dem heute nur noch der Verkehr einer öffentlichen Straße vorbeifährt.

Wir parken unsere leuchtend orange Supra vor dem verwitterten Beton, auf dem die historischen Logos einstiger Sponsoren wie Reifenhersteller und Schmierstofflieferanten von einem lokalen Automobilclub leidenschaftlich gepflegt werden. Moderne trifft auf Morbidität. Der Kontrast könnte nicht größer sein. Die Szene ist so stark, dass zwei französische Motorradfahrer anhalten. Sie umrunden die Supra, zücken ihre Handys. „Magnifique!“, ruft einer und streckt den Daumen hoch.

Road to Le Mans Toyota Supra Martin Westerhoff 2025
Dank des bulligen Drehmoments lässt sich die Supra von 70 km/h an im sechsten und höchsten Gang fahren. Credit: M. Westerhoff

Effizient durch Frankreich nach Le Mans

Am nächsten Morgen geht es auf die finale Etappe. Französische Autobahn. Tempo 130. Gähnende Langeweile für einen Sportwagen? Nicht ganz. Jetzt schlägt die Stunde der Effizienz – auch das ist auch ein Le-Mans-Thema. Dank des bulligen Drehmoments von 500 Newtonmetern, das von 1600 bis 4500 Touren anliegt, lässt sich der Zweisitzer schaltfaul und entspannt ab 70 km/h im sechsten Gang bewegen. Das Resultat an der Zapfsäule verblüfft: gerade einmal 8,3 Liter Super pro 100 Kilometer.

Selbst der unvermeidliche Stau auf der Périphérique um Paris kann unsere Laune nicht trüben. Aus dem Kombi vor uns winken zwei Kinder von der Rückbank begeistert – die Supra ist eben auch im Stillstand unübersehbar.

Road to Le Mans Toyota Supra Martin Westerhoff 2025
Über die Sarthe nähern wir uns dem Ziel unserer Reise – dem Langstrecken-Mekka von Le Mans. Credit: M. Westerhoff

Nach etwas mehr als 700 Kilometern ist es geschafft. Wir überqueren die Sarthe über eine der zahlreichen Brücken und rollen ins Epizentrum des Langstreckensports. Die beiden Rennwagen sind nun auch auf eigener Achse unterwegs, kämpfen mit 680 PS um vordere Startpositionen. Aber wir hatten definitiv die schönere Anfahrt. Le Mans, Toyota ist vollzählig. Der Rennmarathon kann beginnen.

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Autor

Martin Westerhoff
Martin Westerhoff

Nach seinem Technikjournalismus-Studium war Martin über fünf Jahre lang Redakteur bei Auto Bild Motorsport. Auch wenn er nach verschiedenen Stationen in Journalismus und PR heute hauptberuflich als Redaktionsleiter in einer großen Kommunikationsagentur arbeitet: Für F1-Insider.com schreibt er immer wieder gerne über seine Eindrücke und Erlebnisse am Steuer von Renn- und Rallyefahrzeugen.


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